Timothy Druckrey
Cinemedia: Archaeologies of Computation in Cinema – Zur Archäologie des Computers im Kino
(Vortrag in englischer Sprache)
Das Kino ist seit seinen Ursprüngen durch die
notwendige technische Ausrüstung wie durch die aufkommenden Metaphern
mit der Mechanisierung und der Kultur gleichermaßen untrennbar
verbunden. Die "Allgegenwärtigkeit" der Maschine füllt die Archive der
Filmgeschichte, als allmächtiger technischer Blick der Kamera oder als
Beobachter des Prozesses der Mechanisierung selbst.
In den 1950er Jahren erschien der Computer auf der
Bildfläche des Unterhaltungs- wie des Experimental- und Dokumentarfilms.
Zur gleichen Zeit ergab sich eine ganze Bandbreite von Filmstoffen aus
Unternehmensarchiven, Werbefilmen und Fernsehdokumentationen.
Fehlgeleitete wissenschaftliche Forschung, Wissenschaftler, die den
Verstand verloren hatten, und außer Kontrolle geratene Maschinen wurden
dabei durch autonome Technologien ersetzt; Bilder von heimtückischen
Programmierern und empfindungsfähigen und letztlich überlegenen
Computern kontrastierten mit dem Verherrlichen des erstaunlichen
Fortschritts einerseits, Klagen über die Folgen der Automatisierung oder
die Gefahren durch die künstliche Intelligenz andererseits.
Godards "Alphaville", Fassbinders "Welt am Draht",
Markers "Level 5", Scotts "Bladerunner", "Matrix" der Brüder Wachowski,
Rusnacks "The 13th Floor" und Cronenbergs "eXistenZ" finden sich auf der
langen Liste jener Filme, die ein fortlaufendes Abfragen der
Nachwirkungen der digitalen Technologien, der Simulation und der
künstlichen Intelligenz im Kino erkennen lassen. Dokumentationen wie
"The Machine that Changed the World", "Computer Pioneers", "Das Netz"
von Dambeck oder "The Century of the Self" von Curtis untersuchen
gezielter die Entwicklungsstadien und Implikationen der Computerkultur.
Zahlreiche Filme und Videos, die für die Werbung produziert werden,
rücken spezielle Technologien und ihren Anwendungen ins Blickfeld.
Der Vortrag wird umfassend illustriert durch Beispiele
aus diesem Fundus, die insbesondere unter dem Gesichtspunkt ausgewählt
wurden, den historischen Zugang zu einer faszinierenden Tradition zu
ermöglichen und zugleich eine kritische Abwägung der Attraktivität der
Simulation, der Konsequenzen künstlicher Intelligenz und der Bedeutung
dieses speziellen Filmmaterials, das eine wichtige Komponente in der
Entwicklungsgeschichte der Medienkunst darstellt.
Kurzbiografie:
Timothy Druckrey leitet das "Graduate Photography and
Digital Imaging Program" am Maryland Institute, College of Art. Er lebt
in New York City und arbeitet als freier Kurator, Autor und Herausgeber.
Er hält weltweit Vorträge über den sozialen Einfluss der digitalen
Medien, die Veränderung der Repräsentation und Kommunikation in
interaktiven und vernetzten Räumen. Er ist Mitorganisator des
internationalen Symposions "Ideologies of Technology" am Dia Center of
the Arts und Mitherausgeber des Bandes "Culture on the Brink: Ideologies
of Technology" (erschienen bei Bay Press). Er fungierte zu dem als
Co-Kurator der Ausstellung "Iterations: The New Image" am International
Center of Photography und gab den gleichnamigen Band heraus, der bei MIT
Press erschienen ist. Er veröffentlichte "Electronic Culture:
Technology and Visual Representation" und ist Herausgeber der Reihe
"Electronic Culture: History, Theory, Practice", ebenfalls bei MIT
Press. In dieser Reihe erschienen die Bände "Ars Electronica: Facing the
Future", "net_condition: art and global media" (mit Peter Weibel),
Geert Lovinks "Dark Fiber", außerdem „Future Cinema: The Cinematic
Imaginary After Film" (hrsg. von Jeffrey Shaw und Peter Weibel),
"Stelarc. The Monograph" (hrsg. von Marquard Smith), "Deep Time of the
Media: Toward an Archaeology of Hearing and Seeing by Technical Means"
(von Siegfried Zielinski). Zu den jüngsten Ausstellungen, die Druckrey
kuratiert hat, zählen "Bits and Pieces" und "Critical Conditions", zudem
war er Co-Kurator der Ausstellung "New Media" in Beijing (2006). Er
übernahm Gastprofessuren an der Universität für angewandte Kunst in Wien
(2004) und am Richard Koopman Distinguished Chair for the Visual Arts
an der Universität Hartford (2005).
Gefördert von:
